Fliegen in den Kanaren-Urlaub wird teurer
BERLIN/DEUTSCHLAND (02.09.2010): Die Bundesregierung ist der Meinung, dass man Urlauber und Autofahrer am besten schröpfen kann. Aus diesem Grund will sie eine Luftverkehrsteuer einführen. Fluggäste müssen ab dem kommenden Jahr tiefer in die Tasche greifen. Das Kabinett hat eine neue Luftverkehrsteuer beschlossen. Für jeden Flug bis zu 2500 Kilometer ins In- und Ausland wird eine Steuer von acht Euro fällig. Betroffen sind davon so beliebte Reiseziele wie Spanien, die Türkei und Italien. Wer von Düsseldorf nach Berlin und wieder zurück fliegt, muss die Steuer gleich zweimal zahlen. Für Länder, die bis zu 6000 Kilometer entfernt liegen wie Ägypten, Israel und Saudi Arabien, werden 25 Euro pro Flug und Gast fällig. Noch längere Strecken wie beispielsweise nach Südostasien und Australien schlagen mit 45 Euro zu Buche.
Die neue Steuer gilt ab dem 1. Januar 2011. Hamsterkäufe sind nicht möglich. Für alle Tickets, die schon heute für das kommende Jahr erworben werden, muss der Obolus gezahlt werden. In der Steuerpflicht stehen die Fluggesellschaften. Finanzminister Schäuble (CDU) geht aber davon aus, dass die neue Steuer auf die Fluggäste "abgewälzt" werde. Lufthansa, Air Berlin und Germanwings kündigten an, die Steuer an die Passagiere weiterzugeben. "Der deutsche Alleingang führt zu massiven Wettbewerbsverzerrungen in Europa", sagte ein Sprecher der Lufthansa. Minister Schäuble erhofft sich von der Flugsteuer Einnahmen von jährlich einer Milliarde Euro.
Trost für Kanaren-Fans: Die Inseln liegen zwar mehr als 2500 Kilometer von Deutschland entfernt. Für die Eingruppierung ist aber die Entfernung des größten Flughafens des Ziellandes vom Flughafen Frankfurt am Main entscheidend. Somit werden auch für Flüge auf die Kanaren nur acht Euro fällig.
Die deutsche Luftfahrtbranche fürchtet wegen der neuen Steuer um bundesweit 10 000 Jobs. Ein Gutachten des Wormser Zentrums für Recht und Wirtschaft des Luftverkehrs befürchtet sogar den Wegfall von 16 200 Arbeitsplätzen. "Die Bundesregierung hat mit der Steuer ein Eigentor geschossen", sagte der Chef des Flughafenverbandes ADV, Ralph Beisel, unserer Zeitung. "Und zwar eines, für das die Bürger bezahlen müssen." Beisel verwies auf die Niederlande, wo eine ähnliche Steuer vor zwei Jahren eingeführt und nach nur einem Jahr wieder abgeschafft worden ist. "Die Fluggäste sind damals in Scharen auf Flughäfen ins Ausland abgewandert. Wenn der Bundesrat die Pläne nicht noch kippt, wird der Effekt sich in Deutschland wiederholen."
03.09.10 10:00
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