Fern ab von Sinn und Verstand: Stiere machen Politik
Wie nicht anders zu erwarten, erweist sich die unlängst wieder losgetretene Diskussion um ein eventuelles Verbot von Stierkämpfen in Katalonien als reine Politikdebatte.
MADRID/SPANIEN (09.03.2010): Wie nicht anders zu erwarten, erweist sich die unlängst wieder losgetretene Diskussion um ein eventuelles Verbot von Stierkämpfen in Katalonien als reine Politikdebatte. Besonders die Vertreter der Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien preschen in dieser Frage vor, was den Verdacht bestätigt, dass man sich hierzulande vor allem deswegen von der „fiesta nacional“ distanzieren will, weil sie ein Symbol von Spanien ist. Madrid seinerseits verdächtigt die verbotswilligen Katalanen, damit die Eigenbrötelei der vier katalanischen Provinzen zu fördern. Diejenigen Sprecher im katalanischen Regionalparlament, die den Stierkampf als „mit der Essenz des katalanischen Erbes unvereinbar“ erklärten, gehen genau so in die Irre wie diejenigen, die den als Einwand gebrachten Tierschutz für eine Schutzbehauptung halten, die nur die Gegnerschaft zu aller spanischen Tradition bemänteln solle. De facto hat die Debatte die Gegensätze zwischen Katalonien und dem restlichen Spanien wieder einmal nur noch weiter verschärft. Denn die Präsidentin des Autonomiegebietes Madrid, Esperanza Aguirre, ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, Katalonien eins auf die vorwitzigen Finger zu geben. Sie erklärte den Stierkampf unter Hinweis auf seine lange Tradition und die große Zahl von Schriftstellern und Künstlern, die sich diesem hispanischen Erbe verpflichtet gefühlt haben, für ein „Kulturgut von Nationalem Interesse“. Das ist eine Auszeichnung, die nicht nur äußerst ehrenvoll ist, sondern außerdem noch Anrecht auf finanzielle Subventionen in beträchtlichem Ausmaß gibt. Da in ganz Spanien und daher auch in Katalonien das Interesse am Stierkampf seit langem schwindet, weil andere Sportarten längst das breite Publikum erobert haben wie Fußball und sogar Basketball, dürfte die Initiative von Barcelona wieder einmal als ein Schuss erscheinen, der nach hinten losgeht. Denn nicht nur Madrid wird seinen Stierkampf jetzt mit Klauen und Zähnen verteidigen, um die Katalanen in ihrem für sie selbst so schädlichen Wahn zu deckeln, nein, auch die Autonomiegebiete Valencia und Murcia haben bereits angekündigt, die fiesta nacional jetzt mit aller Kraft zu unterstützen. Autorin: Angelika Eisenführ
Mit freundlicher Genehmigung von www.arena-info.com – ARENA - Der deutschen Tageszeitung für das Alt Empordà
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