Kommentar: Kahlschlag in der Radiolandschaft auf den Kanaren

LAS PALMAS / KANAREN / SPANIEN (15.06.2011): Viele Radiobetreiber haben im Vorfeld um die Ausschreibungen über die Radiofrequenzen auf den Kanaren viel investiert, um in die Liste der zu berücksichtigen Sender zu kommen. Nun der Schock für die deutschen und britischen Sender.

Nach europäischem Recht mussten die Frequenzen in einer öffentlichen Ausschreibung vergeben werden. Wer die Richtlinien der Ausschreibung erfüllte, kam auch in die engere Auswahl. Umso mehr waren die zum Teil schon 20 Jahre ansässigen Sendebetreiber englischer und deutscher Radios schockiert, dass nicht ein einziger ausländischer Sender auf den Kanaren eine Frequenz bekommen hat.

Da denkt natürlich jeder sofort an entsprechende politische Erwägungen der Behörden. Die Vergabe der Frequenzen ist eine deutliche Demonstration dafür, dass man die Spielregeln der europäischen Union und einer erfolgreichen Tourismusdestination auf den Kanaren immer noch nicht verstanden hat. Das Geld der Touristen will man gern, doch Service bietet man dafür nur ungern, oder besser gar nicht.

In den 70er und 80er Jahren waren die Kanaren die angesagte Tourismusdestination der Europäer und auf den Kanaren konnte man am Abend das "Geld in Schubkarren nach Hause karren". Umso größer war das Geschrei, als in den letzten 10 Jahren die Urlauber nach und nach ausblieben. Viele Unternehmer machten aus der Not eine Tugend und machten die Umsatzeinbrüche mit erhöhten Preisen wett. Die Krise stürzte die Kanaren in eine tiefe Depression. In nur wenigen Wochen hatte man die höchste Arbeitslosigkeit in ganz Europa.

Lichtblick brachte dann die Krise in Nordafrika. Viele Ägypten- und Tunesien-Urlauber wählten die Kanaren als neues Ziel und man konnte Auslastungszahlen wie in „Alten Zeiten“ vermelden. Am schlechten Service auf den Kanaren hat sich aber nichts geändern.

Und so passt auch die Entscheidung bei der Vergabe der Radiofrequenzen in das allgemeine Bild auf den Kanaren und zeigt was man von seinen „Gästen“ hält: „Kommen und Geld ausgeben dürft ihr gerne, aber mehr gibt es nicht.“

Auf den Kanaren hatten sich zwischenzeitlich in den letzten Jahren bis zu 20 ausländische Radiosender etabliert, einen Service, den viele Besucher gern und dankbar annahmen. Das fällt jetzt der nationalistischen Entscheidung zum Opfer. Man verschenkt mit der Entscheidung einen Service, für den die kanarischen Tourismusmanager nicht einmal etwas tun mussten.

Einige Radiobetreiber erwägen jetzt gegen die Vergabe zu klagen. Bleibt zu hoffen, dass Richter hier schnell eine Entscheidung treffen. Dem Tourismus und den Kanaren würde das gut tun. Autor: Thomas Abraham



15.06.11 09:12

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