Interview mit den Machern von Sands FM 104.8
San Fernando / Gran Canaria / Spanien (20.06.2011): In der vergangenen Woche hat Gran Canarias größter deutschsprachiger Sender mitgeteilt, dass der Sendebetrieb zum 30.06.2011 eingestellt wird. Dies hat bei vielen Hörern für Unverständnis gesorgt. Wir haben die beiden Macher von Sands FM dazu befragt.
Comprendes: Ihr habt Euch entschieden, zum 30.06.2011 den Sendebetrieb einzustellen. Warum reagiert ihr so schnell auf die Tatsache, dass ihr keine Lizenz bekommen habt?
Bert: Bereits als die Ausschreibung bekannt gemacht wurde, haben wir eindeutig gesagt, dass wir nicht weiter machen werden, wenn wir in der Ausschreibung nicht berücksichtigt werden. Wir betreiben Sands FM ja nun nicht als Hobby. Um ein stabiles Unternehmen aufzubauen, benötigen wir Planungssicherheit. Dazu gehört natürlich, dass wir nicht weitermachen, wenn auch nur ein geringes Risiko besteht, dass uns die Inselregierung von heute auf morgen den Stecker zieht.
Comprendes: Könnt ihr die Auswahlkriterien nachvollziehen?
Bert: Die Auswahlkriterien können wir in den meisten Punkten natürlich nachvollziehen. Die Bewertung unserer Ausschreibungsunterlagen in Bezug auf diese Kriterien hingegen in keinster Weise. So haben wir in Teilbereichen, wie z.B. der Programmplanung in Bezug auf lokale Nachrichten null Punkte bekommen. Das ist ein schlechter Scherz!
Comprendes: Was sagt ihr zu dem Zeitpunkt der Veröffentlichung der Ergebnisse?
Carmen: Wenn ich den Bewertern auch Fachkenntnis absprechen möchte, so war die Entscheidung, die Ergebnisse erst nach der Wahl zu veröffentlichen, ein wahres Meisterstück politischer Kartenspielertricks! Bei den vielen auch kanarischen Sendern, die zum Teil jahrzehntelang senden und nun keine Lizenz bekommen haben, wäre die Wahl in manchen Punkten wahrscheinlich anders verlaufen. Der Protest der kanarischen Bürger ist ebenso heftig, wie der der deutschsprachigen Community.
Comprendes: Plant ihr, gerichtlich gegen diese Entscheidung vorzugehen?
Bert: Wir sind ein relativ kleines Team, das binnen kürzester Zeit beachtliches auf die Beine gestellt hat. Das gelang nur, weil wir uns mit Herzblut in die Arbeit gestürzt haben und nicht von Randschauplätzen ablenken ließen. Ein Prozess dieser Größenordnung verschlingt nicht nur viel Geld, sondern auch eine Menge an Zeit, die uns für unser Kerngeschäft fehlen würde. Darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass ein derart politisch geprägter Prozess natürlich auch eine Menge Nerven kostet.
Carmen: Ich glaube, unsere Hörer haben jeden Tag aufs Neue erlebt, dass wir mit bester Laune und mit einer Menge Spaß unser Programm gebracht haben. Ich denke, es ist nur menschlich, dass man die Belastungen eines Prozesses, mit auf die Arbeit, mit an das Mikrofon nehmen würde. Das haben unsere Hörer nicht verdient.
Comprendes: Aber kampflos aufgeben?
Bert: Davon kann doch gar keine Rede sein. Wir haben monatelang gekämpft. Wir waren der einzige deutschsprachige Sender, der überhaupt an der Ausschreibung teilgenommen hat. Das hat nicht nur enorm viel Zeit, sondern auch eine ganze Menge Geld gekostet. Zur Ausarbeitung der Unterlagen haben wir uns einen ausgewiesenen (kanarischen) Experten der Radiolandschaft ins Boot geholt. All das hat nichts genützt. Ich bin ganz ehrlich: ich scheue das enorme Prozessrisiko und die Gefahr hoher Bußgelder.
Comprendes: Nun habt ihr ja bisher keine Anweisung erhalten, den Sendebetrieb einzustellen, oder? Warum dann schon das Ende zum 30. Juni?
Carmen: Als Unternehmen finanzieren wir uns rein durch Werbeeinnahmen. Sollen wir unseren Werbekunden sagen: Hey unterschreibt hier den Vertrag, vielleicht können wir den unsererseits erfüllen – vielleicht aber auch nicht? Wir haben unseren Erfolg immer auf Ehrlichkeit und Transparenz gegründet. Unsere Kunden brauchen diese Planungssicherheit doch genau so.
Bert: Und natürlich brauchen wir auch Zeit für einen „Plan B“. Letztendlich müssen wir natürlich für unseren Lebensunterhalt sorgen. Wir werden die Zeit nach dem 30. Juni dazu nutzen, die Köpfe zusammenzustecken und etwas Neues aufzubauen.
Comprendes: In welche Richtung geht das?
Bert: Ich mag ungern über ungelegte Eier sprechen. Wir haben in den letzten Tagen fantastische Gespräche geführt und eine Reihe von Angeboten bekommen, die wir in Ruhe prüfen und uns für das Beste entscheiden werden. Diese Entscheidung wird mit Sicherheit noch vor dem 30.06. fallen. Einen völlig nahtlosen Übergang wird es aber nicht geben, da wir vor einiger Zeit schon unseren Urlaub im Juli geplant haben.
Comprendes: Aber was ist mit der Verantwortung gegenüber euren Hörern?
Carmen: Wenn ich daran denke, kriege ich direkt wieder Tränen in den Augen. Was uns in der vergangenen Zeit an Sympathie entgegen gebracht wurde, ist einmalig. Da haben sich richtige Freundschaften gebildet. Und die Proteste, die jetzt im Internet stattfinden, machen mich ein wenig stolz, da es zeigt, dass wir bisher alles richtig gemacht haben. Natürlich sind wir uns dieser Verantwortung bewusst. Wenn uns die kanarische Regierung aber zu diesem Schritt zwingt, bleibt kaum eine Alternative.
Comprendes: Ist es denn denkbar, dass eure Hörer wieder von euch hören werden.
Carmen: Vom Gefühl unseren Hörern gegenüber möchte ich das beim besten Willen nicht ausschließen.
Bert: Schaun wir mal, was die Zukunft bringt.
Comprendes: Bert, das hätte jetzt auch die Antwort eines Politikers sein können…
Bert: Wie gesagt, im Moment eruieren wir unterschiedliche Angebote. Ich möchte aber noch mal ganz deutlich sagen, dass ich bislang keinen Job gemacht habe, der mich so begeistert, wie das Radio machen.
Carmen: Das geht mir ganz genau so…
Comprendes: Ich danke euch für dieses Gespräch.
20.06.11 11:47
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