Kanarische Transsexuelle plädiert für Sitz in Madrid
LAS PALMAS / KANAREN / SPANIEN (27.02.2011): Die gebürtige Tinerfenin Carla Antonelli erscheint auf der Wahlliste der Sozialisten in Madrid. Im Falle eines Wahlsieges wäre sie die erste Transsexuelle, die einen Sitz im Plenum der spanischen Hauptstadt innehat. Carla Antonelli wurde 1961 in Güímar als Junge geboren.
Unter dem Franco-Regime liefen Menschen mit homo- und transsexuellen Neigungen Gefahr denunziert und inhaftiert zu werden. Deshalb tauchte sie schon in jungen Jahren in die schützende Anonymität der Großstadt ab. Seit 1977 engagiert sie sich politisch vor allem für die Rechte der Homo-, Bi- und Transsexuellen. Sie war zum Beispiel der erste transsexuelle Mann, der eine Namens- und Geschlechtsänderung in seinem Ausweis durchsetzen konnte.
Später gab ihr die sozialistische Partei eine Plattform, um sich für die Rechte dieser speziellen Bevölkerungsgruppe einzusetzen. Zu ihren politischen Erfolgen zählt unter anderem die Möglichkeit gleichgeschlechtlicher Paare zu heiraten oder die Freiheit für Transsexuelle, die eigene geschlechtsspezifische Identität zu bestimmen. Außerdem setzte sie durch, dass straffällige Transsexuelle die Möglichkeit haben, in einem Frauengefängnis inhaftiert zu werden, ohne eine chirurgische Geschlechtsumwandlung vorgenommen zu haben.
Beruflich wurde die Künstlerin als Schauspielerin unter anderem durch die TV-Serie in „El sindrome de Ulises“ auf Antena 3 bekannt. Nachdem sie sich in den letzten Jahren zugunsten ihrer schauspielerischen Karriere aus der Politik zurückgezogen hatte, kehrt sie nun in das aktive Politikerleben zurück. Carla Antonelli ist eine der wenigen Kandidatinnen, die weniger durch ihre Parteizugehörigkeit, als vielmehr durch ihre schillernde und außergewöhnliche Persönlichkeit sowie ihr Engagement Aufmerksamkeit erregen. Carla Antonelli konnte ihr künstlerisches Talent und ihre Identität zwar leichter auf dem Festland ausleben, aber zu ihrer tinerfenischen Heimat hat sie bis heute einen sehr engen Bezug. „Ich komme gerne nach Teneriffa zurück, und wenn es mir irgendwie möglich ist, verbringe ich Weihnachten in Puerto de la Cruz. Ich liebe diese Stadt, der Blick aufs Meer, mich in den Sand zu legen, an der Plaza del Charco einen Kaffee zu trinken, die Fußgängerzone auf und ab zu schlendern, die Restaurants und die Landschaft rund um Puerto“, bekräftige Carla Antonelli in einem Interview mit dem Kanaren Express im Juli 2008. Sie war fast von Anfang an dabei, als der Verein „Algarabia“ für Lesben, Gays, Bi- und Transsexuelle in Santa Cruz gegründet wurde. Außerdem war sie die glamouröse Schirmherrin, als die Fahne der LGTB am 28. Juni 2008 zum ersten Mal auf Teneriffa, am Rathaus von Santa Cruz, gehisst wurde. „Ich fordere nicht nur Toleranz und Liberalität, sondern Respekt! Toleranz, das beinhaltet so etwas wie Nachsicht gegenüber etwas Minderwertigem – das ist es nicht, was wir wollen. Wir fordern Respekt, denn das hebt uns auf eine gleichberechtigte Ebene. Wir möchten als Mensch akzeptiert und respektiert werden, wie jeder andere auch! Wir möchten nicht nach dem Kriterium unserer Sexualität definiert und kategorisiert werden, sondern aufgrund unserer sympathischen oder vielleicht auch unsympathischen Persönlichkeit und unserer Leistungen“, betonte die Schauspielerin immer wieder. Ein Sitz im Plenum von Madrid wäre nicht nur ein historischer Schritt im soziologischen Sinne, sondern auch ein unbedingter Triumph ihres persönlichen, konsequenten Lebensweges. Quelle Kanarenexpress
27.02.11 13:13
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