Von der Seniorenresidenz zum kinderfeindlichen Wohnhaus

PUERTO DEL LA CRUZ  /  TENERIFFA  / SPANIEN (22.03.2011): Einst war die Seniorenresidenz Martina in der Calle Bethencourt y Molina 34 in Puerto de la Cruz ein Vorzeigeobjekt. In dem Appartementhaus konnten sich Senioren einkaufen oder einmieten und im Bedarfsfall später das Angebot des betreuten Wohnens in Anspruch nehmen.

Vor allem Deutsche und Engländer nahmen dieses Angebot gerne an. Nachdem die Organisation der  Seniorenresidenz Martina vor rund zwei Jahren Pleite gegangen ist, werden die Wohnungen bevorzugt an „normale“ Mieter und Eigentümer weitervermittelt. Nach dem Untertauchen des Geschäftsführers F.B. wurde das einstige Konzept eingestellt. Seine ehemalige Mitarbeiterin erhielt die vorübergehende Erlaubnis, das betreute Wohnen weiter zu betreiben. Schwerstkranken sollte ein neuer Platz gesucht werden. „Das alles ist sehr suspekt. Schon vorher arbeiteten für die Residenz oft wenig qualifizierte Mitarbeiter. Gute blieben meist nicht lange“, erzählt ein Bewohner, der schon viele Jahre in dem Appartementhaus lebt. Jetzt sei es so, dass die Schwerkranken immer noch in der Residenz versorgt würden. „Sie werden abgeschirmt und sind im ganzen Haus verteilt. Keiner weiß genau, wo sie sich befinden. Auch die Pflege soll sehr zu wünschen übrig lassen. Vertrauenswürdige Insider erzählten uns von offenen Wunden und anderen Schauermärchen. Wir haben mit eigenen Ohren gehört, wie sie sich nachts oft stundenlang durch Klopfen bemerkbar machen, um Hilfe zu bekommen. Die Notrufanlage wurde abgeschafft“, erklären Bewohner.

Kinder nein – Hunde ja

Inzwischen gibt es in dem Haus aber noch viel mehr zu beklagen. Die Wohngemeinschaft setzt sich etwa zu gleichen Teilen aus Spaniern und Ausländern zusammen. Deutsche, Engländer, Italiener, Österreicher, Schweizer und Marokkaner aller Altersklassen leben in dem Gebäude.

Von der mangelhaften Seniorenresidenz hat sich das Haus mittlerweile in ein kinderfeindliches Wohnhaus verwandelt. „Unsere Nachbarin, die mit ihrem dreijährigen Sohn bei ihrem Bruder lebt, wird ständig gemobbt. Der Grund: Das Kind ist einigen Anwohnern ein Dorn im Auge. Er darf nicht auf dem Flur spielen oder zu uns laufen, weil er angeblich Krach macht. Dabei sind nur wenige Wohnungen auf dem Flur überhaupt bewohnt. Man wirft der Mutter unter anderem Fingerabdrücke an den Metallleisten im Lift, auf Fensterscheiben oder an Verkleidungen vor. Auch der 'Lärm', den der Junge macht, sei unerträglich. Gleichzeitig sind in dem Haus Hunde erlaubt, deren Gebell viel nervtötender und lauter ist. Auch wenn sie in die Ecken oder Aufzüge pinkeln, wird daran kein Anstoß genommen. Wohl aber an diesem armen kleinen Jungen, der vormittags im Kindergarten und nur nachmittags zu Hause ist“, empört sich ein deutsches Ehepaar, das sich für die junge Mutter und ihren Sohn stark macht und diese Welt nicht mehr versteht. Im ganzen Haus leben lediglich ein Dreijähriger, eine Mutter mit einem Baby, die erst kürzlich eine halbe Stunde lang im Aufzug ohne Hinweis auf eine Notrufnummer eingeschlossen war, und ein geschiedener Vater, dessen Kinder nur ab und zu am Wochenende kommen.

Dabei könnte mit einfachen Maßnahmen zur Verbesserung der Wohnqualität für alle Bewohner beigetragen werden.  „Es gibt zum Beispiel im Parterre eine Terrasse, die prima von Müttern und Kindern zum Spielen genutzt werden könnte. Doch es ist viel zu gefährlich. Eine große Lücke klafft dort, um Licht ins Untergeschoss zu lassen. Für Kinder und auch für ältere Menschen, die das Gleichgewicht verlieren, bedeutet das ein erhöhtes Risiko. Eine einfache Glasabdeckung würde schnell Abhilfe schaffen. Genauso wie eine Treppe, die man einfach mit einem kleinen Geländer sichern könnte. Dann wäre die Terrasse ein adäquater Spielplatz zum Austoben, ohne dass jemand gestört würde“, schlagen die Rentner vor. Sie finden es schade, dass Kindergeschrei als Belästigung betrachtet wird und nicht mehr für ein friedvolles Mehr-Generationen-Miteinander und eine Verschönerung des teils recht maroden Gebäudes getan wird.

Aus einer einstigen Vorzeigeadresse ist quasi ein Schreckenshaus geworden. „Die Beiträge zur Communidad sind so unterschiedlich, dass sie fast willkürlich erscheinen. Die, die immer zahlen, zahlen für alle anderen mit, die das eben nicht tun. Dabei wird nur wenig getan, um den Bau zu erhalten, und Mitsprache wird meist dadurch umgangen, dass Versammlungen zu Zeiten angesetzt werden, wenn viele der Ausländer nicht da sind.“

Discotheken-Horror

Noch unverständlicher ist, dass gegenüber wirklich lautem Diskothekenlärm offenbar mehr Toleranz geübt wird. „Schon oft haben wir nachts um 3 Uhr die Polizei gerufen, weil der Lärm und die Bässe nicht mehr zu ertragen waren. Dann ist es eine halbe Stunde lang leise und danach geht es wieder los“, beklagt sich die Mutter, die wegen ein bisschen Kinderspielens immer wieder in die Kritik gerät.  Tatsächlich  befindet sich im Untergeschoss der Residenz die Diskothek Bolero. Am Wochenende, an Feiertagen und an Karneval geht dort die Post ab. Viele Bewohner werden dann durch die Lautstärke am Schlafen gehindert. Alle Beschwerden mehrerer Anwohner verliefen bislang fruchtlos im Sand.

Es gibt also einiges zu tun, um aus dem Wohnkomplex, der direkt am Strand eigentlich eine 1-A-Lage hat, wieder das zu machen, was es einst war – ein Vorzeigekomplex, in dem man gerne wohnt. Quelle Kanarenexpress



22.03.11 01:44

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