Harraga. Im Netz der Menschenhändler

Zum Inhalt:
Der junge Khalid aus Tanger, Marokko, gelangt über einen Freund nach Granada, Spanien. Er verdingt sich als Drogenkurier an eine „Organisation“, die nicht nur Haschisch, Alkohol, Tabak, Pillen, Kokain nach Europa schmuggelt, sondern auch Menschen: Bootsflüchtlinge aus den Armenvierteln der nordafrikanischen Medinas, die in Fischerbooten heimlich an Land gebracht werden und die als billige, illegale Arbeitskraft in Almería oder Huelva im Tomaten- oder Orangenanbau nachgefragt werden. „Harraga“ (wörtlich: die, die verbrennen) ist ein marokkanischer Ausdruck und bezeichnet die illegalen Emigranten, die ihre Ausweispapiere verschwinden lassen, um ihre Herkunft zu verschleiern und so die Abschiebung zu erschweren. Menschen, die nachher ohne Rechte, ohne Identität, ohne Ausweg sind. Moderne Arbeitssklaven in Europa.

Harraga ist kein herkömmlicher Kriminalroman, sondern eine subjektive Darstellung des Verbrechens, ein Monolog des Delinquenten, eine Erzählung, wie er zum Mörder wurde. Politisch und parteinehmend präsentiert sich Lozanos Emigranten-Tragödie als hochaktueller Soziokrimi. Teils dokumentarisch – man darf annehmen, dass der Autor das Material, wenn auch aus zweiter Hand, so doch aus eigener Anschauung hat – andernteils notwendigerweise fiktiv, denn die Innenansicht des Verbrechens und zumal der politischen Korruption lässt sich logischerweise nur als fiktive Geschichte aufmachen.

Der Autor Antonio Lozano, geboren 1956 in Tanger (Marokko) schreibt politische Kriminalromane. Lehrer und Übersetzer für die französische Sprache, früher Kulturrat der Stadt Agüimes (Gran Canaria), Mitbegründer und ehem. Leiter des internationalen Theaterfestivals Festival del Sur – Encuentro Teatral Tres Continentes: ein Werk, für das ihm der Premio Max Iberoamericano 2011 verliehen wurde (am 9. Mai 2011 in Córdoba). Sein Erstlingsroman Harraga wurde u.a. mit dem Premio Novelpol 2003 als bester Krimi in Spanien ausgezeichnet. Danach folgten El caso Sankara (2006), Preludio para una muerte (2006), Donde mueren los ríos (2007, deutsch 2008) und Las cenizas de Bagdad (2008). Außerdem Übersetzungen aus dem Französischen.

Das spanische Original ISBN 978-84-938151-2-7 und die deutsche Übersetzung von Harraga ISBN 978-84-938151-1-0 sind im Mai 2011 im Zech Verlag auf Teneriffa erschienen.

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15.06.11 07:00

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