Vulkan auf El Hierro - Warnungen vor größter Explosion seit 38 Tagen

Zehn nach vier in La Restinga. Zahlreiche Inselbewohner begleiten Journalisten den ganzen Tag und stehen Wache vor der Nase des Vulkans. Plötzlich geht es los: "Schau, schau, schau, sie wird explodieren", sagt ein Nachbar. "Wow"? Die Augen sind auf die Blase gerichtet, die den ganzen Tag mit einem großen bedrohlichen Spektakel lockt. Wie ein U-Boot das sich aus der Tiefe erhebt, fängt die Oberfläche langsam an zu brodeln und es kommen riesige Blasen magmatischen Materials mit Wasser, Asche und Gasen nach oben. Es gab noch weitere Unterwasserexplosionen im Mar de Las Calmas. Die größte, die breiteste und sicherlich die spektakulärste bisher. Der Schock dauerte fünf bis sechs Sekunden und wurde zum größten Ereignis des Tages auf El Hierro. Eine submarine Eruption warf Magma aus der Spalte im Süden von La Restinga und eine Batterie von Erdbeben erschütterte den Norden der Insel. So ist das Leben auf einem Vulkan.

Kurz nach der Explosion von 16:10 Uhr startete ein Hubschrauber voller Wissenschaftler. An Bord der Direktor des Nationalen Geographischen Instituts (IGN), María José Blanco. Sie flogen über das Epizentrum auf der Suche nach Daten und um ein Verständnis zu entwickeln, was in der Tiefe vor sich geht.

Die Blasen, die durch die Explosionen erzeugt werden, könnten mehr als hundert Meter im Durchmesser betragen und eine Höhe von über 25 Meter erreichen, auch wenn dies noch nicht in El Hierro bestätigt wurde. In Bezug auf die, welche am Samstagnachmittag entstanden, waren es ca. 25 Meter in der Höhe, doch weitete sich das Brodeln im „Meer der Ruhe“ über den ganzen Tag in die Breite. Nach Severiano Morales, einem 77jährigen Fischer aus El Pinar, "der Teufel verfügt über mehr als 25 Meter", urteilt er beim Betrachten der Livebilder in Fernsehen. Ein paar Minuten nach der Explosion, war ein starker Schwefelgeruch um La Restinga wahrnehmbar.

Seither kommt es immer wieder zu Explosionen mit unterschiedlichen Höhen. Oft liegen sie im Bereich um die 10 Meter Höhe oder weniger. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass auf der Oberfläche noch mehr erscheinen wird. Auch wenn der Vulkanausbruch in den Tiefen stattfindet, so verringert sich durch das Wachstum des submarinen Vulkankegels die Entfernung zur Oberfläche, was zu immer mehr sichtbaren Explosionen oberhalb des Meeresspiegels führt.

Auch in den vergangenen Tagen konnte man sehen, wie immer mehr Magma, so etwas wie Asche aus Basalt, aufsteigen. Dieses Material hat sehr große Ähnlichkeit mit den letzten Eruptionen auf den Kanarischen Inseln.

Die einzige Tiefenmessung durch das Forschungsschiff Ramon Margalef im Bereich der submarinen Eruption hat folgende Daten aufgeworfen: ein vulkanischer Kegel, mit einer Grundfläche von ca. 600 Meter im Durchmesser, 300 Meter unter dem Meeresspiegel. Der Kegel hat eine Höhe von 100 Metern und einem Durchmesser am Krater von 120 Metern. Der eigentliche Herd des Lava-Ausstoßes liegt in ein paar hundert Metern Tiefe. An der Tiefenmessung konnte man auch sehen, wie die die Lava-Zunge am Rand des Kraters abfällt. Das war die Szene vor etwas mehr als zwei Wochen. Jetzt glauben die Wissenschaftler, dass der Vulkan aufgrund der großen Menge an Magma, die möglicherweise in den letzten Tagen ausgestoßen wurde, stark gewachsen ist. Dabei gehen die Wissenschaftler davon aus, dass durch das schnellere Fließen des Magmas die Tremor-Signale reduziert werden, es aber zu mehr Lava Ausstoß kommt.

Das Leben im Norden, in Frontera, ist eine andere Welt. Erdbeben trotz verringerten Tremor Signal. Mit einer Intensität im Bereich von 3,7 Grad auf der Richter-Skala. Obwohl der unterseeische Vulkan von La Restinga Anzeichen einer drohenden Eruption auf dem Meer zeigt, sind die Emissionen von Schwefeldioxid (SO2) niedriger als üblich an Orten, wo es zu oberirdischen Eruptionen kommt.

Wie das Vulkanologische Institut der Kanarischen Inseln (INVOLCAN) mitteilt, ist die Emission von Schwefel in der Atmosphäre niedriger, als normalerweise in vulkanischen Systemen mit oberirdischer eruptiver Phase. Eine Folge einer Neutralisationsreaktion zwischen der Säure vulkanischer Gase und dem aufgenommen Wasser. Ein Teil des Schwefeldioxids wird im Wasser gebunden und führt zur Senkung des Meerwasser ph-Wertes.



14.11.11 21:11

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